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Leist Geschichte
1901-1947¦1948-1972 ¦ 1973-heute ¦ Quellen ¦
 

1901 bis 1947

In der Periode 1901 bis 1947 (75-Jahr-Jubiläum) entwickelte sich der ARL von etwa 20 auf 109 Mitglieder, mit einem Höchststand von 143 im Jahre 1939. Allerdings erlebte er 1918 eine ernste Existenzkrise: Wegen „Fehlens wichtiger Angelegenheiten“ und „Interesselosigkeit der Mitglieder“ demissionierten Präsident und Sekretär; der Antrag, den Leist aufzulösen, wurde mit 3:3 Stimmen blockiert. Unter dem neuen Präsidenten, dem Turnlehrer Alfred Widmer (er war 18 Jahre lang im Amt!), erfuhr der ARL dann aber eine ungeahnte Renaissance.

Die Sitzungs- und Versammlungsprotokolle ab 1901 gewähren einen lückenlosen Einblick in die laufenden Leistgeschäfte und die Sorgen und Freuden der Quartierbewohnerinnen und -bewohner. Es waren immer dieselben Bereiche, die zu reden gaben: Unerwünschte Bauvorhaben bzw. Gewerbe (ein Bordell an der Altenbergstrasse, ein Versammlungshaus des Evangelischen Brüdervereins oder eine mechanische Werkstätte am Oberweg, ein mehrstöckiges Gebäude an der Rabbentalstrasse, eine Verbindungsstrasse Rabbental – Oranienburgstrasse), Dreck und Lärm (Gestank von den Aarekloaken, herumliegender Abfall, Teppichklopferei, Hundegebell), jugendliche Vandalen, Verkehrsprobleme (Mehrverkehr wegen der neuen Lorrainebrücke ab 1927, rasende Velofahrer, gefährdete Kinder wegen der Verkehrszunahme, Autoübungsfahrten im Rabbental, Regenwasser und Schmutz auf den noch ungeteerten Strassen, schlechte Strassenbeleuchtungen). Bemerkenswert ist das Gesuch des ARL an die Stadt aus dem Jahr 1936, für das Quartier einen Bebauungsplan mit Sonderbauvorschriften aufzustellen.

Aerger gab es regelmässig wegen der Kornhausbrücke, die für unser Quartier eine Art Troyanisches Pferd war, das störenden Verkehr und Tram- und Bähnlilärm brachte, von welchem Regenwasser herunterfloss oder Lausbuben Passanten mit Schneebällen bewarfen. Viele wünschten sich diese Brücke über den Köpfen ins Pfefferland und stattdessen eine Schwebebahn von der Altenbergstrasse zum Kornhaus- oder Waisenhausplatz. Hitzige Debatten entbrannten immer häufiger auch um die Aare, besonders bei Niederwasser (stinkende Aarekloaken, freiliegender Unrat) oder nach Ueberschwemmungen (Forderung, den immer höher liegenden Aarekies auszubaggern). 1943 schloss sich der ARL einer breit abgestützten Gruppierung von Vereinigungen an, welche mit Nachdruck Massnahmen gegen die zunehmende Verschmutzung der Aare forderten; die zahlreichen Diskussionen und Verhandlungen gipfelten in der Forderung der Inangriffnahme einer grossen Kläranlage im Thormann-Mätteli „in wenigstens einem Jahr“. Dieses leidige Thema sollte unsern Leist noch lange beschäftigen! (Die Kläranlage Neubrück wurde 1967 in Betrieb genommen.)

Die beiden Weltkriege hinterliessen in den Leistdokumenten nur wenige Spuren. 1915 sammelte der Leist in Quartier sagenhafte 2900 Franken für „Notleidende“. An der „Leistsitzung“ dieses Jahres berichtete ein Major über die aktuellen Kriegsereignisse. 1918 kamen bei einer Sammlung „für die Truppen“ erneut stolze 2170 Franken zusammen. 1940 wurde die Idee einer Quartier-Hilfsfeuerwehr lanciert (weil viele Männer im Militärdienst waren, waren nun auf einmal Frauen begehrte Ansprechpartnerinnen!), mangels Interesses aber bald wieder verworfen. 1941 hatte sich der Vorstand mit Klagen über Nachtruhestörungen durch das Militär und das unbefugte Befahren des Altenbergstegs durch velofahrende Offiziere zu befassen. Kurz vor Kriegsende wurde die Teilnahme an einer Sammlung für Kriegsgeschädigte diskutiert – vorgeschlagen wurde der magere Betrag von 100 Franken...

Wie schon erwähnt stellte der Leist in jener Zeit noch kaum eine Plattform dar für gesellige Anlässe. 1922 verzichtete man sogar bewusst auf eine feierliche Begehung des 50-Jahr-Jubiläums! Immerhin fand dann 1937 zum 65-jährigen Bestehen ein Postautoreisli ins Gurnigelgebiet mit Mittagessen im „Kurhaus Sternen“ in Guggisberg statt. Die sozialen Leistaktivitäten beschränkten sich ansonsten auf die jährliche Zusammenkunft von ein bis zwei Handvoll Mitgliedern im Säli des „Café Altenbergbad“, in den ersten Jahrzehnten öfters an einem Samstag Abend oder gar am Sonntag nach der Predigt. Das 75-jährige Jubiläum wurde dann allerdings mit einem erheblichen Aufwand gefeiert. Im Auftrag des ARL verfasste Dr. Hugo Haas die Schrift „Altenberg und Rabbental in Bern“, und rund 50 Leistmitglieder und Gäste fuhren in zwei Postautomobilen nach Faoug am Murtensee und verköstigte sich im „Du Cerf“ mit einem üppigen 5-Gänger. Der Festtag klang im Café Altenberg mit Musik, Gesang und Freibier (von der Brauerei Gassner gestiftet) fröhlich aus. Die Berner Zeitungen berichteten ausführlich über die Feierlichkeiten.

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